Objektiv betrachtet können wir zufrieden sein: Wir leben länger und gesünder als unsere Vorfahren. Starben vor hundert Jahren von 1000 Neugeborenen 150 schon in den ersten Tagen ihres Lebens, sind es heute nur noch sechs. Wer heute geboren wird kann damit rechnen, mehr als acht Jahrzehnte auf der Erde zubringen zu können. Seit es medizinische Statistiken gibt, lag die Lebenserwartung nie höher.
Doch anstatt uns darüber zu freuen und sorglos den Genüssen des Lebens hinzugeben, fürchten wir uns immer mehr vor den bedrohlichen Unwägbarkeiten Natur: Die Medien warnen vor tödlichen Viren, die von Zugvögeln und Asylbewerbern ins Land getragen werden könnten; fast wöchentlich wird über neu entdeckte Krankheiten und Symptome berichtet, die unser Ueberleben bedrohen. Dazu kommt das Gift in der Luft, das Gift in der Erde, im Wasser, in der Nahrung… wohin man blickt: überall lauert Krankheit und Tod.
Memento Mori (Gedenke, dass du sterblich bist) – der klerikale Mahnruf aus den Zeiten des Barock, der den Menschen an seine Endlichkeit erinnern sollte und ihm auftrug, Busse zu tun und den Verlockungen des Lebens zu widerstehen, erlebt in unsern Tagen eine erstaunliche Wiedergeburt. Die Furcht davor krank zu werden, und damit ins Räderwerk unserer modernen Medizin-Megamaschine zu geraten, treibt immer mehr Menschen in die Askese: Sie verzichten auf Tabak und Alkohol, meiden fettreiche Nahrung, trinken literweise Leitungswasser und absolvieren täglich ein ausgedehntes Trainingsprogramm, um Herz und Kreislauf bis an die Leistungsgrenzen zu treiben – alles nur, um „fit“ zu bleiben.
Die Australische Sozialwissenschaftlerin Deborah Lupton erblickt in diesem verbissenen Streben nach Gesundheit ein metaphysisches Phänomen. Für sie ist gesundheitsbewusstes Essen und Gottessuche Ein und Dasselbe, wie sie in ihrem Buch „The Imperative of Health“ schreibt: „In unserer weltlichen Zeit ist bewusste Ernährung und ein prononcierter Lifestyle, die Alternative zum Gebet, zum gottesfürchtigen Leben; es ist eine Haltung, die dem Leben und Sterben Sinn verleihen soll.“
Die Vorstellung von einem „gesunden“ und „richtigen“ Leben haben inzwischen die alten Religionen abgelöst. Nicht Gottesfürchtigkeit, sondern Gesundheitsfürchtigkeit ist heute der Maßstab für gute Lebensführung. Eine vermeintlich gesunde Lebensführung garantiert zwar noch nicht den Eintritt ins Paradies, aber sie gibt dem Suchenden doch eine Art Gewissheit im Hier und Jetzt: „Gesundheitspolitik und öffentliche Vorsorgeprogramme können demnach verstanden werden als Teil einer moralischen Ordnung der Gesellschaft, denn beide betonen die Bedeutung des ethisch richtigen Umgangs mit dem eigenen Körper”, schreibt Lupton.
Nur wer „richtig“ lebt, lebt auch gesund
Nach gängiger Auffassung ist die Gesundheit ein Gut, das durch richtige Lebensführung, Selbstdisziplin und die Bereitschaft zum Verzicht errungen werden kann. Die Gleichung, wonach nur Gesund sein kann, wer „richtig“ lebt, ermöglicht es den Anhängern der Gesundheitsreligion, ein moralisch positives Bild von sich selbst zu entwerfen. Durch die quasi religiöse Sicht von Gesundheit, fühlen sie sich im übrigen auch dazu berechtigt, abweichendes Verhalten von einem mit Autorität versehen Standpunkt aus zu kritisieren. Wer seine gesellschaftliche Gesundheits-Pflicht missachtet, wird in unserer ängstlichen und immer weniger toleranten Welt schnell zum Außenseiter.
Die Angst davor, aus eigenem Verschulden krank zu werden, führt den auch zu einer bizarren Hypochondrisierung der Gesellschaft. „Immer, wenn im Fernsehen die Sendung `Sprechstunde` gelaufen ist, klingelt bei mir in der Praxis pausenlos das Telefon“, erzählt ein Allgemeinpraktiker, der den vielen medizinischen Ratgebersendungen, die ständig auf sämtlichen TV-Kanälen laufen, kaum noch Positives abzugewinnen vermag. Nach jeder Sendung meldeten sich bei ihm reihenweise „verängstigte Gesunde“, die davon überzeugt seien, exakt an jener Symptomen zu leiden, die Tags zuvor am TV vorgeführt wurden (wobei sie meist auch gleich ultimativ nach jenem Medikament verlangen, das in der Sendung besonders empfohlen wurde).
Viele der eingebildeten Kranken zeigen sich dabei durchaus schuldbewusst und nehmen die Verantwortung für ihre Gesundheitsstörung auf sich. Sie haben die versteckte Botschaft der Medizin-Ratgeber-Programme längst verinnerlicht, die da lautet : Wer im stetigen Streben Gesund zu bleiben nachlässt und die Gebote einer „vernünftigen Lebensweise“ in den Wind schlägt und die ärztlichen Empfehlungen ignoriert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er plötzlich krank wird und stirbt.
Der Versuch, die Verantwortung für die Krankheit den Kranken in die Schuhe zu schieben, hat Tradition. Im Jahre 1974 veröffentlichte das Kanadische Gesundheitsministerium die Ergebnisse einer Untersuchung, in der das Auftreten schwerer, tödlich verlaufener Krankheiten mit bestimmten, gemeinhin als ungesund geltenden Lebensgewohnheiten in Bezug gesetzt wurde. Das Fazit der Studie fiel erwartungsgemäss aus: Die grosse Mehrheit der Verstorbenen, so meinten die kanadischen Gesundheitsforscher, wären älter geworden, hätten sie weniger geraucht, weniger getrunken und, ganz generell, gesünder gelebt. Kurzum: Die Opfer sind selber schuld.
In der Folge wurden in vielen Ländern vergleichbare Studien durchgeführt, was denn auch zu einem allmählichen Bewusstseinswandel auf breiter Ebene führte. Während man zuvor Krankheiten als unvermeidliches Unglück angesehen hatte, wurde sie nun, zumindest teilweise, zur Folge ungesunden Verhaltens erklärt. Nach der Logik der Gesundheits-Apologeten schaden sich die Verächter eines gesunden Lebensstils aber nicht nur selbst – sie treiben auch die Gesundheitskosten in die Höhe und werden damit zu Schädlingen am Volkskörper.(1) Für J. H. Knowles, den früheren Direktor der wohltätigen Rockefeller Stiftung in den USA, ergibt sich daraus als logische Konsequenz, dass das verfassungsmässige „Recht auf Gesundheit“ künftig durch eine „allgemeine Bürgerpflicht zur Gesundheitsvorsorge“ ersetzt werden müsse. Gesundsein wird damit zum ersten Gebot der political correctness – nur wer sich fit hält und Tabak, Alkohol und fettes Essen meidet, verhält sich der Allgemeinheit gegenüber verantwortungsbewusst.
Als Lohn für das stetige Bemühen, Gesund zu bleiben, winkt ein langes Leben. Alt werden allein ist aber noch längst kein Garant für anhaltendes Lebensglück. Wer über einen Körper verfügt, der auch noch mit 85 ohne wesentliche Störungen funktioniert, gehört zu einer privilegierten Minderheit. Allerdings wird bei einer Medizin, die dem Tod den Garaus machen will, das Altwerden für sich schon zu einer Krankheit. Und tatsächlich befinden sich die meisten Betagten mehr oder weniger ständig in ärztlicher Behandlung.Dabei fühlen sich gerade viele ältere Menschen der Megamaschine der modernen Medizin schutzlos ausgeliefert. Anders als den Aerzten, geht es den meisten Patienten keineswegs darum, den Tod möglichst lange hinauszuzögern. Im Gegenteil. Die meisten Menschen erschreckt die Vorstellung, monatelang von piepsenden und blinkenden Automaten künstlich am Leben erhalten zu werden und so dem Tod entgegendämmern zu müssen. Der ethischer Imperativ der Aerzte, Leben um jeden Preis zu erhalten, führt angesichts des heute technisch Möglichen in ein Dilemma: Anstatt ihren Patienten zu helfen, sich vertrauensvoll dem Unvermeidlichen hinzugeben, hindern die Aerzte sie mit allen verfügbaren Mitteln daran, in Würde sterben zu können.
Gesundheit – ein vermarktbarer Rohstoff
„Die Menschen haben es verlernt, Alter und Tod als natürliche Gegebenheit zu akzeptieren“, schreiben die beiden amerikanischen Medizin-Soziologinnen Reneé Fox und Judith Swazey, „stattdessen sehen wir im Tod unsern ärgsten Feind, dessen Bekämpfung jedes Mittel rechtfertigt.“ In ihrem Buch “Spare Parts: Organ replacement in American Society” entwerfen die beiden die Vision einer Welt, in der Kranke mit biologischen Ersatzteilen repariert werden können, die in genetischen Zuchtanstalten mit Hilfe von Pavianen oder Schweinen herangezogen wurden, oder direkt aus noch warmen Körpern geplündert werden. Ethik und Moral werden dabei von einer übereifrigen Medizin, die das Leben der Menschen endlos verlängern will, kurzum über Bord geworfen.
Doch der Weg in die totale Maschinen- und Ersatzteil-Medizin scheint unumkehrbar – das allein schon deshalb, weil das Gesundheitswesen inzwischen zu einem milliardenschweren Geschäft geworden ist. In unserer durchökonomisierten Welt wird auch die Gesundheit zu einem vermarktbaren Rohstoff , derweil die Aerzte zu Anbietern von medizinischen Dienstleistungen und Therapieprodukten mutieren. Doch anders als etwa ein Gemüsehändler, der konkrete Produkte verkauft, bieten Aerzte nur ein Versprechen an. Doch gerade der Umstand, dass die Gesundheit ein unsichtbares Gut ist, macht es um so einfacher, sie zu verkaufen. Und weil sich Gesundheit mit Geld bekanntlich nicht aufwerten lässt, kann man für sie auch jeden Preis verlangen.
Das hat dazu geführt, dass die Medizinalbranche überall auf der Welt mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Profiten glänzt. Und die Nachfrage wird auch in Zukunft zuverlässig weiter steigen, dafür sorgt allein schon das spezifische Angebotssystem im modernen Gesundheitswesen: War es früher noch üblich, dass der Kranke den Arzt ins Haus bestellte, wenn es nötig wurde, ist es heute in der Regel umgekehrt: Der Arzt bestellt den Patienten in seine Praxis. Kerngesunde Leute werden dabei von computergesteuerten Kontrollsystemen dazu aufgefordert, sich einem “Check-up” oder “Screening” zu unterziehen. Eine Weigerung wird als “non-compliance” eingestuft, und gilt, der Gesellschaft gegenüber, als verantwortungs- und rücksichtslos.
In den USA nennt man diese Art der gesundheitlichen Vorsorge „anticipatory medicine“; wobei die antizipatorische Medizin nicht mit der traditionellen Präventivmedizin verwechselt werden darf, die beispielsweise mit Impfungen oder durch die Verbesserung der hygienischen Verhältnissen Krankheiten zu vermeiden versucht. Die antizipatorische Medizin ergeht sich viel mehr in probabilistischen Spekulationen über mögliche künftige Risiken, die durch „multifaktorielle Störungen“ hervorgerufen werden könnten. Wer seine Risikofaktoren regelmässig checken lässt, könne das Risiko, plötzlich von einer schweren Krankheit heimgesucht zu werden, allerdings erheblich verringern, versprechen die antizipatorischen Aerzte. Die meisten, wenn nicht sogar alle Krankheiten liessen sich durch regelmässige Vorsorgeuntersuchungen vermeiden, oder zumindest zeitlich verzögern. So sollte sich – nach den Richtlinien der US-Amerikanischen Aerztegesellschaft – eine gesunde Frau zwischen ihrem 20 und 70 Altersjahr mindestens einmal jährlich vollumfänglich ärztlich untersuchen lassen. Dabei muss sie, zur Evaluation ihrer Risikofaktoren, hochgerechnet nicht weniger als 278 verschiedene Untersuchungen, Tests und Beratungsgespräche über sich ergehen lassen – alles nur, um sicher gehen zu können, nicht krank zu sein.
Nun zeigen aber praktisch alle vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass breit angelegte Vorsorgeuntersuchungen, und namentlich auch das so genannte „multiphasic screening“ (bei dem gleichzeitig nach verschiedenen möglichen Krankheiten gesucht wird), keinen spürbaren Einfluss auf die Anzahl der aufgetretenen Krankheitsfälle oder die Sterblichkeit gezeigt hat. So hat zum Beispiel vor ein paar Jahren eine Langzeit-Kontrolluntersuchung in Schweden erbracht, dass von gesamthaft 65`000 Frauen, die sich einer Mammographie unterzogen, nur gerade eine einzige Frau einen direkten medizinischen Vorteil daraus ziehen konnte.
Dennoch wird am Sinn der Gesundheits-Check-ups kaum gezweifelt: Die Krankenkassen übernehmen in den meisten Fällen klaglos die Kosten; und auch bei den Gesundheitspolitikern gilt die vorsorgliche Medizinalisierung Gesunder als unbedingt förderungswürdig; wobei sie – ungeachtet aller vorliegenden Fakten - fest davon überzeugt sind, dass sich mit flächendeckenden Screenings auf lange Sicht Einsparungen im staatlichen Gesundheitsbudget erzielen lassen.
Konsens von Links bis fast ganz Rechts
Der Staat strickt denn auch kräftig am Aufbau des neuen Gesundheitsbewusstseins mit. Während die soziale Sicherheit der Menschen Stück für Stück dem freien Markt anheim fällt, und die Bürgerrechte einem paranoiden Sicherheitswahn geopfert werden, ereifern sich die Politiker auf nationaler und kommunaler Ebene über Rauchverbote, oder sie hecken Schikanen „zum Schutze“ von übergewichtigen Schulkindern aus.(3)
Bezeichnend ist dabei, dass aus Gründen der political correctness von Links bis fast nach ganz Rechts ein weitgehender Konsens darüber besteht, dass es gut und richtig ist, wenn der Staat sich in die Lebensführung seiner Bürger einmischt und die Gesundheitsvorsorge mit Zwangsmassnahmen reglementiert. In der Schweiz protestiert einzig die SVP bisweilen gegen diese Bevormundung der Bürger, derweil bei allen andern Parteien die Gesundheit vor der Freiheit Priorität geniesst.
Für den 1994 verstorbene Tschechischen Mediziner und Buchautor Petr Skrabanek ist das Ausdruck einer „Tyrannei der Gesundheit“. Wenn die allgemeine Volksgesundheit zur Staatsmaxime werde, sei das ein Symptom einer gesellschaftlichen Krankheit, schrieb Skrabanek in seinem Buch „The Death of Humane Medicine and the Rise of Coercive Healthism” und warnte dabei vor einer aufgezwungenen staatlichen „Gesundheitsideologie“, die das Gesundheitsverhalten der Bürger immer weiter gehend reglementiert. Petr Skrabanek prägte dafür den Begriff „Healthism“, was sich – laut Wikipedia – am ehesten mit „Gesundheitsfaschismus“ übersetzen lasse.
„Healthism ist eine machtvolle Ideologie, die in unseren sekulären Gesellschaften das Vakuum auszufüllen vermag, das die Religionen zurückgelassen haben“, heisst es bei Skrabanek. Beliebt sei diese Ersatzreligion namentlich in den Mittelklassen, „die den Kontakt zu ihren kulturellen Wurzeln verloren“ hätten und sich in der sich schnell wandelnden Welt zunehmend verunsichert fühlten. Das metaphysische Urvertrauen, das ihnen das Gebet nicht mehr zu geben vermag, finden sie jetzt beim Training im Fitness-Center.
Genau genommen will die Gesundheits-Religion vor allem eines: Risiken minimieren.(4) Wer die Volksgesundheit fördert, nimmt für sich aber auch automatisch in Anspruch, das allgemeine Wohlbefinden, beziehungsweise die gesellschaftliche Glückseligkeit zu erhöhen. Nur, so hat es der Philosoph und liberale Vordenker Karl Popper formuliert: „Jeder Versuch, das Glück der Allgemeinheit zu maximieren, führt notgedrungen in einen Totalitarismus.“
Zwischen dem Anspruch die Gesundheit zu maximieren und dem Bestreben, das Leiden der Kranken zu minimieren, besteht denn auch ein erheblicher Unterschied. Anstatt als Lifestyle-Lehrer zu agieren und die Patienten in der staatlichen Gesundheitsideologie zu unterweisen, sollten sich die Aerzte deshalb viel mehr darauf verlegen, die Leiden der Kranken zu mildern, ihre Furcht zu vertreiben und - ganz generell - den peinvollen Weg, den jeder Mensch bis zu seinem Grab zurücklegen muss, zu erleichtern. Ein weiser Arzt hat es einmal so formuliert: „Zu den Aufgaben eines Arztes gehört, es den Patienten möglich zu machen, all die angenehmen Dinge zu tun, die schlecht für sie sind - zu viel zu rauchen, zu viel zu essen und zu viel zu trinken, ohne dass sie sich dadurch früher als nötig umbringen.“
(1) Tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt: Wer gesund lebt und ein hohes Alter erreicht, verursacht auch höhere gesellschaftliche Kosten. Er bezieht nicht nur länger Rente, auch die Pflege- und Gesundheitskosten steigen mit zunehmendem Alter an. Wer hingegen auf Grund seiner ungesunden Lebensweise schon vor Erreichen des Pensionsalters das Zeitliche segnet, fällt der Allgemeinheit weit weniger zur Last.
(2) Die angestiegene durchschnittliche Lebenserwartung, gilt als schlagender Beweis dafür, dass die Medizin in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Allerdings können auch die gläubigsten Anhänger der Schulmedizin nicht bestreiten, dass die wesentlichen Fortschritte im Gesundheitswesen primär auf die verbesserten Lebensbedingungen zurückzuführen sind - auf die bessere Ernährung, die bessere Hygiene und die verbesserte Bildung. Die Aerzte hingegen stehen den Krankheiten nach wie vor weitgehend machtlos gegenüber. Sie können zwar Entzündungen eindämmen, oder krankhaftes Gewebe chirurgisch beseitigen - aber mit Ausnahme einiger Infektionen und Mangelerkrankungen gibt es praktisch keine Therapien, die den Patienten im Sinne von restitutio ad integrum tatsächlich heilen
(3) Der Luzerner Gesundheitsdirektor Markus Dürr hat vor einiger Zeit vorgeschlagen, den Eltern von übergewichtigen Kindern künftig per Gesetz zu verbieten, ihre Sprösslinge im Auto in die Schule zu chauffieren. Die dicken Kinder sollen dadurch gezwungen werden, sich mehr zu bewegen.
(4) Die Anthropologie Mary Douglas hat allerdings darauf hingewiesen, dass “Risiko” in der heutigen Gesellschaft ein moralisch stark aufgeladenes Konzept darstellt. Risiko ist, laut Douglas, gewissermassen das weltliche Gegenstück zur Sünde. Wer sich ohne Notwendigkeit einem Risiko aussetzt, handelt nach den gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen unmoralisch.