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	<title>Megamaschine Medizin</title>
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	<description>Ketzerisches zum Krankheitswesen</description>
	<pubDate>Sun, 20 Jan 2008 16:44:58 +0000</pubDate>
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		<title>Werbung wichtiger als Forschung</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jan 2008 16:44:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aus der Pharma-Küche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn die grossen Pharmakonzerne die hohen Preise für ihre Produkte rechtfertigen, weisen sie gemeinhin auf die enormen Summen für Forschung und Entwicklung hin. Eine Untersuchung an der York-Universität im kanadischen Toronto hat nun aber ergeben, dass die Forschungskosten bei weitem nicht den grössten Aufwandposten darstellen. Fast doppelt so viel Geld wie in die Forschung fliesst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Wenn die grossen Pharmakonzerne die hohen Preise für ihre Produkte rechtfertigen, weisen sie gemeinhin auf die enormen Summen für Forschung und Entwicklung hin. Eine Untersuchung an der York-Universität im kanadischen Toronto hat nun aber ergeben, dass die Forschungskosten bei weitem nicht den grössten Aufwandposten darstellen. Fast doppelt so viel Geld wie in die Forschung fliesst in die Werbung und ins Marketing. Im Jahre 2004 wurden allein in den USA mehr als 57 Milliarden US-Dollar in Werbe-Massnahmen für neu lancierte Medikamente gesteckt, während die Forschungsaufwendungen im gleichen Jahr <span> </span>nur gerade 31 Milliarden US-Dollar erreichten.</p>
<p class="MsoNormal">Zu den kostspieligen Werbeaktionen gehörten unter anderem die Verteilung von kostenlosen Produktproben, Anzeigen, Briefe und E-Mails, Besuche bei Ärzten sowie Seminare, bei denen für die Verwendung eines neuen Medikaments geworben wurde. Die Forscher stützten sich auf Angaben von zwei Marktforschungsinstituten sowie auf Zahlen der Nationalen Wissenschaftsstiftung für das Jahr 2004, aus dem die aktuellsten Zahlen vorlagen.</p>
<p class="MsoNormal">Sie gehen davon aus, dass die Werbeausgaben tatsächlich noch höher lagen, weil nicht alle Posten von den Forschungsinstituten erfasst wurden.</p>
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		<title>Schnaps schützt vor Rheuma</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 01:07:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>

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		<description><![CDATA[Regelmässiger Alkoholgenuss kann das Risiko an einer Rheumatoiden Arthritis zu erkranken erheblich verringern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus Schweden, die am europäischen Rheumatologen-Kongress (der diesen Sommer in Barcelona stattfand) für erhebliches Aufsehen sorgte (Källberg et al). Als Anfangsdosis empfehlen die Schwedischen Wissenschaftler mindestens drei „Standard-Drinks“ pro Woche; bei Probanden, die sich wöchentlich zehn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal">Regelmässiger Alkoholgenuss kann das Risiko an einer Rheumatoiden Arthritis zu erkranken erheblich verringern. Zu diesem Schluss kommt eine Studie aus Schweden, die am europäischen Rheumatologen-Kongress (der diesen Sommer in Barcelona stattfand) für erhebliches Aufsehen sorgte (Källberg et al). Als Anfangsdosis empfehlen die Schwedischen Wissenschaftler mindestens drei „Standard-Drinks“ pro Woche; bei Probanden, die sich wöchentlich zehn der genau bemessenen Drinks hinter die Binde gegossen hätten, sei die Schutzwirkung sogar noch stärker ausgefallen. Welcher Mechanismus hinter der vorbeugenden Wirkung des Alkohols steckt, liess sich bisher nicht schlüssig eruieren. Doch, wer will da noch viele Fragen stellen? Hauptsache es wirkt - prost!</p>
<p class="MsoNormal">(Quelle: PD Dr. D. Kyburz, Universitäts-Spital Zürich, in „Info“, Zeitschrift der Schweizerischen Polyarthritiker-Vereinigung)</p>
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		<title>„Nichtübertragbare und psychische Krankheiten“</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Oct 2007 00:30:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Bis Ende 2008 will Gesundheitsminister Pasacal Couchepin den Entwurf zu einem Präventionsgesetz vorlegen: In Anbetracht der Zunahme von „nichtübertragbaren und psychischen Krankheiten“, so Pascal Couchepin, brauche es dringend neue gesetzliche Grundlagen.
Weil man aber den Bürgern nicht einfach per Gesetz verbieten kann, krank zu werden, will Couchepin pädagogisch subtil vorgehen: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Bis Ende 2008 will Gesundheitsminister Pasacal Couchepin den Entwurf zu einem Präventionsgesetz vorlegen: In Anbetracht der Zunahme von „nichtübertragbaren und psychischen Krankheiten“, so Pascal Couchepin, brauche es dringend neue gesetzliche Grundlagen.</p>
<p>Weil man aber den Bürgern nicht einfach per Gesetz verbieten kann, krank zu werden, will Couchepin pädagogisch subtil vorgehen: „Ich plane keinen Kreuzzug gegen den modernen Lebensstil. Ich will informieren, nicht moralisieren“, verspricht der Gesundheitsminister. „Puritanische Appelle“ seien ohnehin meist kontraproduktiv.</p>
<p>Eine weise Einsicht. Doch obwohl Couchepin für eine Partei in der Regierung sitzt, die früher einmal mit dem Schlagwort „mehr Freiheit, weniger Staat“ Politik machte, ist er fest entschlossen, ein weiteres überflüssiges Gesetz in die Welt zu setzen. Die vielfältigen gesundheitlichen Risiken, denen der Mensch gegenüber stehe, dürften den Staat nicht einfach gleichgültig lassen, meint Couchepin. Deshalb müssten in einem Präventionsgesetz die „nationalen Präventions- und Gesundheitsförderungsziele“ festgeschrieben werden.</p>
<p>Dabei tut der Bundesrat so, als wüsste er ganz genau, was für den einzelnen Bürger gut ist und was ihm schadet. Ob es sich nun um vermeintlich schädliche Genussmittel handelt, um die Art der Ernährung, oder um das richtige Mass an körperlicher Ertüchtigung – was „gesund“ ist regelt künftig das Gesetz.</p>
<p>Die Idee zu einem Präventionsgesetz ist allerdings nicht auf dem eigenen Mist gewachsen. Ueberall in Europa basteln die Politiker zurzeit an Gesetzen zur Hebung der allgemeinen Volksgesundheit – und die lässt man sich auch etwas kosten. In der Schweiz wurden bisher für Prävention und Gesundheitsförderung jährlich rund 1,13 Milliarden Franken ausgegeben. Das sind 2,2 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben von knapp 52 Milliarden Franken. Der OECD-Durchschnitt liegt allerdings bei 2,7 Prozent, weshalb sich die Schweiz herausgefordert fühlt, ihre Bemühungen im Bereich der Gesundheitsprävention auf das europäische Niveau anzuheben.</p>
<p>Der Versuch, das allgemeine Wohlbefinden per Gesetz zu dekretieren, birgt allerdings eine bedrohliche Tendenz in sich, vor der schon der liberale Vordenker Karl Popper sehr eingehend gewarnt hat. Für Popper führt „jeder Versuch, das Glück der Allgemeinheit zu maximieren, notgedrungen in den Totalitarismus“.</p>
<p>Aber Landesvater Couchepin meint es ja nur gut mit uns. Mit Prävention und Gesundheitsförderung - davon ist er überzeugt - lassen sich vorzeitige Todesfälle und die „krankheitsbedingte vorzeitige Verrentung“ vermeiden. Erreicht werden soll das über ein Anreizsystem, das jene belohnt, die aktiv für ihre Gesundheit etwas tun und sich regelmässig screenen lassen. Wer hingegen die gut gemeinten Ratschläge und Vorschriften aus dem Präventionsgesetz einfach in den Wind schlägt, soll am Ende die Zeche selber zahlen. Bei alle dem geht es letztendlich darum, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, damit die Krankenkassen das schon lange geforderte Bonus- Malus-System in der Grundversicherung einführen können.</p>
<p>Im weiteren soll das Präventionsgesetz aber auch „langfristig zur Dämpfung der Kostenentwicklung“ beitragen. Couchepin erwartet dabei, dass die staatlichen Informations- und Aufklärungskampagnen zu einer generellen „Stärkung der Gesundheitskompetenz bei der Bevölkerung“ führen werden. Gut informierte, kritische Patienten seien besser in der Lage, „die Leistungen der Gesundheitsversorgung differenzierter nachzufragen und zu nutzen“, meint Couchepin und erwartet mehr Preiskonkurrenz im industriellen Gesundheitsfilz.</p>
<p>Freilich, auch Couchepin wird kaum ernsthaft behaupten können, in der Schweiz mangle es bisher an populärwissenschaftlich aufbereiteter Information zum Thema Gesundheit. Das Füllhorn an medizinischem Infotainment, das die Medien täglich über uns ausschütten, hat bisher allerdings kaum zu kritischen Konsumenten und schon gar nicht zu einer „differenzierteren Nachfrage“ geführt. Was viel mehr stattfindet, ist eine zunehmende Hypochondrisierung der Bevölkerung, die zum Teil schon bizarre Formen annimmt.</p>
<p>Nicht nur die Krankheitsbilder und Diagnosen haben sich in den letzten Jahren vervielfacht, auch die Zahl der eingebildeten Kranken wird ständig grösser; wobei die panische Angst davor, krank zu werden, selbst schon wieder als neue Zivilisationskrankheit diagnostiziert wird. Wer in ständiger Furcht vor gefährlichen Krankheiten lebt, konsultiert naturgemäss öfter den Arzt und konsumiert auch mehr Medikamente, selbst dann, wenn sie keinerlei Wirkung zeigen.</p>
<p>So gesehen schafft das Präventionsgesetz genau das, was es nach offizieller Leseart eigentlich verhindern will: es sorgt dafür, dass die Umsätze in der Gesundheitsindustrie (und mit ihnen die Prämien der Krakenkassen) auch in Zukunft zweistellig weiter wachsen.</p>
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		<title>Wie tickt die Pharmaindustrie?</title>
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		<pubDate>Sat, 22 Sep 2007 10:29:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aus der Pharma-Küche]]></category>

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		<description><![CDATA[In ihrem neuen Buch „Big Pharma“ unternimmt die britische Wissenschaftsjournalistin Jacky Law eine Reise in den inneren Zirkel der weltweiten Pharmaindustrie. Dabei wollte Law kein weiteres Enthüllungsbuch über die mafiösen Machenschaften der globalen Pharmaindustrie schreiben. Der Autorin geht es viel mehr um die Frage, warum die Pharmaindustrie in der Lebensspanne eines einzelnen Menschen so ungeheure [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">In ihrem neuen Buch „Big Pharma“ unternimmt die britische Wissenschaftsjournalistin Jacky Law eine Reise in den inneren Zirkel der weltweiten Pharmaindustrie. Dabei wollte Law kein weiteres Enthüllungsbuch über die mafiösen Machenschaften der globalen Pharmaindustrie schreiben. Der Autorin geht es viel mehr um die Frage, warum die Pharmaindustrie in der Lebensspanne eines einzelnen Menschen so ungeheure Macht gewinnen konnte: Von der Wiege bis zur Bahre ist der Mensch Kunde bei „Big Pharma“ - <span> </span>einem System, das von einer milliardenschweren Propagandamaschine und – wie Jacky Law meint – „von der Bequemlichkeit der Konsumenten“ am Laufen gehalten wird. <o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Auf der Grundlage von gesicherten Daten versucht Jacky Law entsprechend, das medikamentöse System in seiner ganzen soziologischen und sozialpsychologischen Verflochtenheit zu entschlüsseln.<span>  </span>Dabei wird deutlich, wie stark die moderne Medizin auf der Imaginationsfähigkeit der Patienten beruht, und wie beweglich und manipulationsanfällig die Grenzen von Gesundheit und Krankheit sind<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'"><o:p> </o:p>Jacky Law &#8220;Big Pharma&#8221;. Das internationale Geschäft mit der Krankheit. Aus dem Englischen von Christoph Trunk. Patmos Verlag, Düsseldorf 2007. 327 S., geb., 22,- [Euro].</span><em><o:p></o:p></em></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'"><o:p> </o:p>Mehr zu Laws Buch unter:<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><a href="http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc%7EE0E9AFBB7B54F4E08B9381B8FE1141EE0%7EATpl%7EEcommon%7EScontent.html">http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E0E9AFBB7B54F4E08B9381B8FE1141EE0~ATpl~Ecommon~Scontent.html</a></p>
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		<title>Bonus-Malus-System: Sondertarif für Dicke und Raucher</title>
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		<pubDate>Tue, 11 Sep 2007 13:31:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>

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		<description><![CDATA[Wer die richtigen Fragen stellt, bekommt auch die gewünschten Antworten. Nach diesem Prinzip führt die Santésuisse, der Verband der Krankenkassen in der Schweiz, alljährlich eine so genannte „sondage santé“ durch, welche die Stimmungslage der Bevölkerung in gesundheitspolitischen Fragen erkunden soll. 
Dabei kann der Krankenkassenverband mit Befriedigung konstatieren, dass „der Wunsch der Bevölkerung nach mehr Markt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Wer die richtigen Fragen stellt, bekommt auch die gewünschten Antworten. Nach diesem Prinzip führt die Santésuisse, der Verband der Krankenkassen in der Schweiz, alljährlich eine so genannte „sondage santé“ durch, welche die Stimmungslage der Bevölkerung in gesundheitspolitischen Fragen erkunden soll. <o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Dabei kann der Krankenkassenverband mit Befriedigung konstatieren, dass „der Wunsch der Bevölkerung nach mehr Markt im Gesundheitswesen“ in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat: Im Jahre 2003 lag der Anteil der Marktbefürworter noch bei relativ bescheidenen 39 Prozent; inzwischen stellen sich mehr als siebzig Prozent der Befragten hinter die Forderung nach mehr Marktwirtschaft.<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">In ähnlichem Ausmass zugenommen hat auch die Zahl derer, die ein Bonus-Malus-System bei den Krankenkassenprämien befürworten. Wer „gesund“ lebt, soll bei den Prämien entlastet werden; wer hingegen seine Gesundheit durch eine riskante Lebensweise aufs Spiel setzt, wird mit einem erhöhten Selbstbehalt bestraft. Mehr als zwei Drittel der rund 1`200 Befragten befürworten inzwischen eine solche Lösung.<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Dabei gehen die meisten von der Annahme aus, dass eine ungesunde Lebensweise automatisch auch zu höheren Gesundheitskosten führen müsse. Von<span>  </span>den 50 Milliarden, die das schweizerische Gesundheitswesen im Jahr verschlinge, seien zirka vier Prozent auf das Rauchen zurückführen, drei Prozent auf Fettsucht und fünf Prozent auf Alkohol, rechnet die santésuisse vor, ohne zu erklären, wie sie auf diese Zahlen kommt. <o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Tatsächlich handelt es sich im besten Falle um vage Schätzungen, für die es nicht die geringsten statistischen Belege gibt. Eine breit angelegte Studie, die 1997 in Grossbritannien durchgeführt wurde, kam gar zum bemerkenswerten Schluss, dass die Gesundheitskosten langfristig ansteigen würden, wenn die gesamte Bevölkerung das Rauchen aufgäbe und sich konsequent den Regeln einer gesunden Lebensweise unterzöge. Die Menschen würden zwar länger leben, was allerdings auch zu einer Zunahme schwerer chronischer Krankheiten führen würde.<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Doch wie auch immer. Die Anti-Tabak-Kampagne der letzten Jahre, die zunehmend die Züge einer hysterischen Gesundbeterei trägt, hat vorgezeichnet, wohin der Weg noch führen kann. So fordert etwa CVP-Nationalrätin Doris Humbel Näf einen höheren Krankenkassen-Selbstbehalt für Uebergewichtige, wenn eine Krankheit eindeutig auf das Übergewicht zurückzuführen sei. Derweil will der Luzerner Gesundheitsdirektor Markus Dürr der grassierenden Fettsucht mit einer „Fett-Steuer“ den Kampf ansagen: „Uebergewicht ist nicht mehr nur ein Problem, sondern viel mehr eine Epidemie“, sagt Dürr und kommt dabei zum Schluss: „Wenn die Eigenverantwortung nicht mehr genügt, muss eben die Politik einschreiten.“<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Das bedeutet nichts Gutes. Wo es Vorschriften und Verbote gibt, braucht es auch Kontrollen. Deshalb wird es sich mittelfristig nicht vermeiden lassen, dass dem Bundesamt für Gesundheitswesen eine eigene Polizeitruppe zur Seite gestellt wird. Die Gesundheitspolizei wäre unter anderem zuständig für Raucher-Razzien in gastgewerblichen- und andern öffentlichen Räumen, und für die Bekämpfung von Missbräuchen im Krankenkassenwesen –beispielsweise, wenn ein Versicherungsnehmer in missbräuchlicher Art und Weise zu Hause auf dem Sofa döst, anstatt sein tägliches Trainingsprogramm zu absolvieren, wie es im Krankenkassen-Vertrag zur Erlangung einer Bonus-Prämie obligatorisch verlangt wird. <o:p></o:p></span></p>
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		<title>Zyprexa-Nachfolger in der Pipeline</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Sep 2007 01:55:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aus der Pharma-Küche]]></category>

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		<description><![CDATA[Der US-Pharmakonzern Eli Lilly &#38; Co berichtet über „ermutigende“ Ergebnisse einer Doppelblindstudie mit einem neuartigen Schizophrenie-Medikament namens LY2140023. Der neue Wirkstoff wurde während vier Wochen an 100 Schizophrenie-Kranken getestet. Dabei habe sich LY2140023, im Vergleich mit herkömmlichen Neuroleptika und Placebo, als äusserst wirkungsvoll, sicher und gut verträglich erwiesen, teilt Eli Lilly &#38; Co mit. Bis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Der US-Pharmakonzern Eli Lilly &amp; Co berichtet über „ermutigende“ Ergebnisse einer Doppelblindstudie mit einem neuartigen Schizophrenie-Medikament namens LY2140023. Der neue Wirkstoff wurde während vier Wochen an 100 Schizophrenie-Kranken getestet. Dabei habe sich LY2140023, im Vergleich mit herkömmlichen Neuroleptika und Placebo, als äusserst wirkungsvoll, sicher und gut verträglich erwiesen, teilt Eli Lilly &amp; Co mit. Bis das neue Medikament seine Marktreife erreicht habe, werde es aber noch etwas dauern.<o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'"><o:p> </o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Freilich eilt die Zeit. Im Jahre 2011 läuft der Patentschutz für Zyprexa aus, das bestverkaufte Medikament von Eli Lilly &amp; Co. <span> </span>Zyprexa (generische Bezeichnung: Olanzapin) wird zur Behandlung von Schizophrenie und schweren Psychosen eingesetzt und hat dem Konzern letztes Jahr 4,36 Milliarden US-Dollar in die Kassen gespült.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'">Allerdings geniesst Zyprexa, wegen seiner dramatischen Nebenwirkungen, einen ziemlich zweifelhaften Ruf. Inoffiziell ist von mehreren hundert Todesfällen, beziehugnsweise Suiziden, die Rede. Tatsache ist, dass Eli Lilly &amp; Co in den letzten Jahren von über zehntausend Schadenersatz-Klagen überschwemmt wurde, wobei der Nachweis erbracht werden konnte, dass die Einnahme von Zyprexa unter anderem zu Diabetes führen kann. <o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-family: 'Times New Roman'"><o:p> </o:p>Eli Lilly &amp; Co zeigte sich denn auch bereit, über eine Milliarde US-Dollar an die zuckerkranken Zyprexa-Opfer auszubezahlen – durchschnittlich 62`500 Dollar pro Klägerin oder Kläger. Unter dem Strich geht die Rechnung für den US-Konzern dabei so oder so auf. Denn, mit den beiden Insulin-Präparaten Humulin und Humalog führt Eli Lilly &amp; Co auch noch gleich zwei der meist verkauften Diabetes-Medikamente in seinem Sortiment.<o:p></o:p></span></p>
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		<title>Placebos: Das Belohnungszentrum als Schaltstelle</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2007 23:51:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aus der Pharma-Küche]]></category>

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		<description><![CDATA[Scheinmedikamente (Placebos) können die biologischen Abläufe in verschiedenen Hirnregionen messbar verändern. Ihre Wirkung hängt jedoch entscheidend davon ab, welche Erwartungen ein Patient an die Behandlung knüpft. Wo genau die emotionale Haltung einer Person in neuronale Prozesse übersetzt wird, war bis anhin allerdings unklar. Wie amerikanische Wissenschafter nun berichtet haben, lösen positive Erwartungen im Belohnungszentrum des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Scheinmedikamente (Placebos) können die biologischen Abläufe in verschiedenen Hirnregionen messbar verändern. Ihre Wirkung hängt jedoch entscheidend davon ab, welche Erwartungen ein Patient an die Behandlung knüpft. Wo genau die emotionale Haltung einer Person in neuronale Prozesse übersetzt wird, war bis anhin allerdings unklar. Wie amerikanische Wissenschafter nun berichtet haben, lösen positive Erwartungen im Belohnungszentrum des Mittelhirns, dem Nucleus accumbens, deutliche Veränderungen aus, die ihrerseits die Wirksamkeit von Placebos begünstigen.1Aufnahmen des Gehirns mittels bildgebender Verfahren zeigten bei gesunden Probanden, die vermeintlich an einem Placebo-kontrollierten Test eines neuen Schmerzmittels teilnahmen (also glaubten, entweder ein Placebo oder das echte Medikament zu erhalten), dass schon die Erwartung einer schmerzlindernden Wirkung im Nucleus accumbens die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin ankurbelt, das heisst zu erhöhter neuronaler Aktivität führt. Wurden diejenigen Studienteilnehmer, die von der Behandlung eine Wirkung erhofften, dann einem Schmerzreiz ausgesetzt, empfanden sie auch tatsächlich weniger Schmerzen als Probanden, die nicht an die Wirksamkeit der Therapie glaubten.</p>
<p>Analoge individuelle Unterschiede fanden die Forscher erstaunlicherweise auch in einem völlig anderen Kontext; nämlich dann, als sie ihren Probanden im Rahmen eines Spiels eine mögliche Geldbelohnung in Aussicht stellten. Dabei reagierten dieselben Personen, die bereits im Placebo-Test positiv eingestellt gewesen waren, auch auf das Versprechen eines potenziellen Geldgewinns mit einer zuversichtlichen Haltung und entsprechenden Veränderungen im Nucleus accumbens. Wie die Forscher nun annehmen, spielt das hirneigene Belohnungszentrum bei der Entstehung der Placebowirkung eine Schlüsselrolle, indem es Erwartungen in neuronale Prozesse übersetzt.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Einsichten eines Berufspatienten</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2007 23:09:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Diagnose: Krank]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin ein Betroffener. Ich gehöre zu den 70‚000 Menschen in der Schweiz, die an Rheumatoider Arthritis leiden und damit täglich auf Medikamente angewiesen sind. Ich brauche meine Pillen gegen die chronischen Gelenk-Entzündungen, Pillen gegen die Arthrosen (eine Folge der Entzündungen), und neuerdings brauche ich auch noch Pillen gegen die gesundheitlichen Folgeschäden, die ich mir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span lang="DE-CH"><o:p></o:p></span><span lang="DE-CH">Ich bin ein Betroffener. Ich gehöre zu den 70‚000 Menschen in der Schweiz, die an Rheumatoider Arthritis leiden und damit täglich auf Medikamente angewiesen sind. Ich brauche meine Pillen gegen die chronischen Gelenk-Entzündungen, Pillen gegen die Arthrosen (eine Folge der Entzündungen), und neuerdings brauche ich auch noch Pillen gegen die gesundheitlichen Folgeschäden, die ich mir durch das jahrzehntelange Pillenschlucken eingehandelt habe. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Begonnen hat alles vor über vierzig Jahren, als ich eines Morgens mit höllischen Schmerzen erwachte: Mein rechtes Knie war glühend heiss und mindestens auf das Doppelte seiner normalen Grösse angeschwollen. Der herbeigerufene Hausarzt zeigte sich ratlos, verordnete Umschläge mit essigsaurer Tonerde und empfahl im übrigen, einen Spezialisten beizuziehen. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Für mich – ich war noch keine zehn Jahre alt – begann damit eine schmerzensreiche Odyssee durch die Welt der Medizin. Meine Eltern schleppten mich von einem Arzt zum andern, Kapazitäten wurden aufgesucht und selbst Wunderheiler konsultiert – doch keiner wusste die Symptome zu deuten. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Erfolglos wurde ich einer Penicilin-Kur unterzogen. Darauf spritzte mir ein Arzt mehrmals wöchentlich eine bräunlich-trübe Tinktur in den Arm, die er nach geheimer Rezeptur selbst zusammenbraute. Andere schlossen mich an furchteinflössende Therapie-Maschinen an und traktierten meine Knochen mit Niederfrequenzstössen; oder ich wurde in Gips gelegt und Monate lang ruhig gestellt. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Nichts half.<span>  </span>Je mehr Aerzte an mir herumdokterten, um so mehr breiteten sich die Krankheit aus. Bald begann auch mein linkes Knie zu schmerzen, dann griffen die Entzündungen auf die Fussgelenke über, ich spürte sie in den Ellbogen, in den Schultern, in den Hüftgelenken, und schliesslich wurde auch noch mein rechtes Auge von den gleichen chronischen Entzündungen befallen, die schon meine Gelenke zum grossen Teil zerstört hatten. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Inzwischen bin ich vierundfünfzig und habe acht Operationen hinter mir – die letzte vor drei Jahren. Seither ist meine Krankheit in eine latente Phase eingetreten. Das heisst, akute entzündliche Schübe treten seltener auf, dafür leide ich umso mehr unter den Spätfolgen der Arthritis: das rechte Auge ist nach jahrelangen chronischen Entzündungen vollständig erblindet; meine Halswirbel werden von Chromstahlschrauben zusammengehalten, mein linkes Handgelenk wird von einem zwanzig Zentimeter langen Metallteil gestützt; und dass ich überhaupt noch in der Lage bin, mich auf meinen eigenen Beinen Vorwärts zu bewegen, verdanke ich einzig meinen beiden künstlichen Knien und den Sulzer-Hüftgelenken.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Dabei hatte man mir anfänglich noch Hoffnungen gemacht. Mein damaliger Arzt – ein junger Allgemeinpraktiker, der als erster überhaupt den Verdacht geäussert hatte, es könnte sich um „Rheuma“ handeln – war felsenfest davon überzeugt, dass der medizinische Fortschritt mein Problem in kürze lösen werde: Auf keinem andern Gebiet werde intensiver geforscht, schärfte er mir immer wieder ein, es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein Mittel auf den Markt komme, mit sich Arthritis heilen lasse.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Das war Anfang der Sechzigerjahre. Inzwischen hat sich der besagte Arzt, nach über vierzig Jahren in der eigenen Praxis, zur Ruhe gesetzt – dem grossen Ziel, Arthritis heilen zu können, ist man bis heute freilich nicht näher gekommen. Zwar gilt halbwegs als gesichert, dass die chronischen Entzündungen bei Arthritis durch eine „Autoaggression“ des körpereigenen Immunsystems ausgelöst werden. Warum allerdings das Immunsystem bei immer mehr Menschen aus dem Gleichgewicht gerät und sich gegen die eigenen Gelenke und Körperorgane richtet, bleibt bis heute schleierhaft.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Selbst harmlose Formen von Rheuma gelten, medizinisch gesehen, als unheilbar. Gleichzeitig steht zu ihrer Behandlung aber eine nicht mehr zu überblickende Auswahl an Salben, Pillen und Tinkturen bereit, die freilich alle Eines gemeinsam haben: so bald sie abgesetzt werden, kehren die Schmerzen zurück.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">17 Milliarden US-Dollar werden weltweit jedes Jahr allein für Rheuma-Schmerzmittel ausgegeben. Dazu kommen noch die sogenannten „Basismedikamente“, die das Immunsystem daran hindern sollen, krankmachende Botenstoffe zu produzieren. Die Eingeweihten sprechen dabei von </span><span>„Disease modifying antirheumatic drugs“, (DMAD`s) – also Arzneimittel, die Krankheiten nicht heilen, sondern sie lediglich „modifizieren“, um sie pharmakologisch besser „kontrollieren“ zu können. <o:p></o:p></span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Die jüngste Errungenschaft auf diesem Gebiet sind die „TNFα-Blocker“, die von der Pharmaindustrie und Teilen der Aerzteschaft als „Paradigmawechsel in der Rheumatherapie“ bejubelt werden. Konkret handelt es sich um gentechnisch hergestellte Eiweissstoffe, welche die Fähigkeit besitzen, den sogenannten „Tumor Nekrose Faktor α“ zu binden und damit jene Botenstoffe auszuschalten, die für die Entzündungen verantwortlich sein sollen. Die Kosten für eine einjährige Kur (mit der es freilich nicht getan ist) bewegen sich, je nach Mittel und Dosierung, im Bereich zwischen 15‚000 und 30‚000 Franken.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">In der TV-Ratgebersendung „Puls“ wurde bereits ein glücklicher TNF-Patient vorgeführt, der schon vier Tage nach der ersten Blocker-Infusion kaum noch Schmerzen verspürte.<span>  </span>Dank den neuen „biologischen“ Medikamenten, so dozierte darauf ein Facharzt der Zürcher Schulthess-Klinik,<span>  </span>könne Arthritis jetzt „in den meisten Fällen zum Stillstand“ gebracht werden. Nebenwirkungen seien derweil kaum zu erwarten - höchstens einigen „Hautirritationen“ an der Einstichstelle, „ähnlich einem Insektenstich.“, wie der Doktor freundlich lächelnd meinte, </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Dass die TNF-Blocker inzwischen in Verdacht stehen, Tuberkulose auszulösen - 70 dokumentierte Fälle liegen bereits vor – blieb in der Sendung unerwähnt. Und unterschlagen wurde auch, dass ein Grossteil der TNF-Therapien, mangels Wirkung oder wegen zu starken Nebenwirkungen, vorzeitig wieder abgebrochen werden mussten – über die abgebrochenen Therapien werden allerdings keine Statistiken geführt.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Das soll nicht heissen, dass die neuen Medikamente nicht wirken. Doch scheint ihre Erfolgsquote auch nicht wesentlich höher zu liegen, als die der herkömmlichen Basismedikamente, über deren Wirksamkeit unter Arthritis-PatientInnen seit jeher ein Glaubenskampf tobt: das gleiche Mittel, das bei den einen Wunder wirkt,<span>  </span>kann bei andern die Symptome gar noch verschlimmern. Sicher ist einzig: Das industriell produzierbare Standardmedikament, das allen Arthritis-Kranken hilft, bleibt weiterhin ein Wunschtraum der Pharmaindustrie. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Es ist dabei bemerkenswert, dass die meisten Basismedikamente, die in der Rheumatologie eingesetzt werden, ursprünglich für andere medizinische Anwendungen entwickelt wurden. Im Vordergrund stehen Krebs- und Transplantationsmedikamente, die das Immunsystem lahm legen; aber auch Malariamittel zeigen bei Arthritis-PatientInnen in gewissen Fällen eine entzündungsdämpfende Wirkung. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Ich selbst liess mir über ein Jahr lang alle zwei Wochen eine Ladung Goldstaub in den Hintern schiessen – ein ausgesprochen teurer Luxus, der zudem auf die Nieren schlägt. Später versuchte ich es mit „Imurek“, einem hochpotenten Immunsupressiva, das üblicherweise nach Organzverpflanzungen verabreicht wird, um Abstossreaktionen zu vermeiden. Meine rheumatischen Entzündungen vermochte es allerdings nicht zu beeindrucken.</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Vor einiger Zeit hat mir mein Arzt deshalb geraten, es einmal mit dem Krebsmittel „Methotrexat“ zu versuchen. Angesichts des weit fortgeschrittenen Krankheitsbildes wäre zwar kaum zu erwarten, dass eine „Methotrexat“-Kur bei mir sehr viel bewirken würde. Doch, nach einer weiteren erfolglosen Basistherapie seien meine Chancen erheblich grösser, von der Krankenkasse zu einer der sündhaft teuren TNFα-Therapien zugelassen zu werden. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span class="E-MailFormatvorlage16"><span style="font-size: 10pt" lang="DE-CH">Freilich: Meine vierzig Jahre als Berufspatient haben mich skeptisch werden lassen. Ich habe mich deshalb zuerst ins Internet vertieft und wurde d</span></span><span lang="DE-CH">ort von der Masse der pharmakologischen Fachabhandlungen, Erfahrungsberichte und gut gemeinten Ratschläge geradezu erschlagen. Was mich allerdings stutzig machte war der Umstand, dass es im ganzen weltweiten Datennetz kaum eine Rheuma-Ratgeberseite zu geben scheint, die nicht von mindestens einem der einschlägigen Pharmakonzerne gesponsert wird. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span class="E-MailFormatvorlage16"><span style="font-size: 10pt" lang="DE-CH">Für die Betroffenen wird es damit fast unmöglich, zwischen Wahrheit und Werbung überhaupt noch unterscheiden zu können. </span></span><span lang="DE-CH">Die grossen Pharmamultis stecken inzwischen wesentlich mehr Geld in die Werbung und ins Marketing, als in die Forschung. Was zur Folge hat, dass einzelne neue Medikamente – wie etwa die teuren TNF-Blocker - in den Medien bereits völlig unverhältnismässig hochgejubelt werden,<span>  </span>obwohl über Wirkung und Risiken des neuen Medikamentes erst rudimentäre Studien vorliegen.<span>  </span></span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Bedenklich ist dabei, dass sich auch immer mehr AerztInnen den Zwängen der medizinischen Marktwirtschaft unterziehen und zu blossen PillenverkäuferInnen im Dienste der Industrie mutieren. Wie weit dabei der moralische Zerfall innerhalb der MedizinerInnen-Kaste bereits fortgeschritten ist, belegen die vielen Berichte über gefälschte Studien, geschmierte Experten und korrupte Aerzte, die uns die Medien beinahe schon wöchentlich liefern. Entsprechend stellen sich die Betroffenen die bange Frage: Wem kann man in diesem Gesundheitssystem, das zum milliardenschweren Big Business verkommen ist, überhaupt noch trauen?</span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">„Man muss eben immer kritisch bleiben, auch gegenüber dem, was der eigene Arzt empfiehlt“, riet mir jüngst eine Leidensgenossin. Angesichts des überbordenden Kommerzes in der Gesundheitsindustrie bleibe den Kranken gar nichts anderes übrig, als sich von der Rolle des gläubigen Patienten zu emanzipieren, und auch in der Arztpraxis zum souveränen Konsumenten heranzuwachsen. </span></p>
<p class="MsoBodyText"><span lang="DE-CH">Eine Erkenntnis, die mich schliesslich zu Entschluss brachte, den Ratschlag meines Arztes in den Wind zu schlagen und die bereits begonnene Basistherapie mit „Methotrexat“ nach drei Injektionen wieder abzubrechen. </span></p>
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		<title>Gesundsein – die neue Religion</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Sep 2007 22:54:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>hro</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>

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		<description><![CDATA[Objektiv betrachtet können wir zufrieden sein: Wir leben länger und gesünder als unsere Vorfahren. Starben vor hundert Jahren von 1000 Neugeborenen 150 schon in den ersten Tagen ihres Lebens, sind es heute nur noch sechs. Wer heute geboren wird kann damit rechnen, mehr als acht Jahrzehnte auf der Erde zubringen zu können. Seit es medizinische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Objektiv betrachtet können wir zufrieden sein: Wir leben länger und gesünder als unsere Vorfahren. Starben vor hundert Jahren von 1000 Neugeborenen 150 schon in den ersten Tagen ihres Lebens, sind es heute nur noch sechs. Wer heute geboren wird kann damit rechnen, mehr als acht Jahrzehnte auf der Erde zubringen zu können. Seit es medizinische Statistiken gibt, lag die Lebenserwartung nie höher.</p>
<p>Doch anstatt uns darüber zu freuen und sorglos den Genüssen des Lebens hinzugeben, fürchten wir uns immer mehr vor den bedrohlichen Unwägbarkeiten Natur: Die Medien warnen vor tödlichen Viren, die von Zugvögeln und Asylbewerbern ins Land getragen werden könnten; fast wöchentlich wird über neu entdeckte Krankheiten und Symptome berichtet, die unser Ueberleben bedrohen. Dazu kommt das Gift in der Luft, das Gift in der Erde, im Wasser, in der Nahrung&#8230; wohin man blickt: überall lauert Krankheit und Tod.</p>
<p>Memento Mori (Gedenke, dass du sterblich bist) – der klerikale Mahnruf aus den Zeiten des Barock, der den Menschen an seine Endlichkeit erinnern sollte und ihm auftrug, Busse zu tun und den Verlockungen des Lebens zu widerstehen, erlebt in unsern Tagen eine erstaunliche Wiedergeburt. Die Furcht davor krank zu werden, und damit ins Räderwerk unserer modernen Medizin-Megamaschine zu geraten, treibt immer mehr Menschen in die Askese: Sie verzichten auf Tabak und Alkohol, meiden fettreiche Nahrung, trinken literweise Leitungswasser und absolvieren täglich ein ausgedehntes Trainingsprogramm, um Herz und Kreislauf bis an die Leistungsgrenzen zu treiben – alles nur, um „fit“ zu bleiben.</p>
<p>Die Australische Sozialwissenschaftlerin Deborah Lupton erblickt in diesem verbissenen Streben nach Gesundheit ein metaphysisches Phänomen. Für sie ist gesundheitsbewusstes Essen und Gottessuche Ein und Dasselbe, wie sie in ihrem Buch „The Imperative of Health“ schreibt: „In unserer weltlichen Zeit ist bewusste Ernährung und ein prononcierter Lifestyle, die Alternative zum Gebet, zum gottesfürchtigen Leben; es ist eine Haltung, die dem Leben und Sterben Sinn verleihen soll.“</p>
<p>Die Vorstellung von einem „gesunden“ und „richtigen“ Leben haben inzwischen die alten Religionen abgelöst. Nicht Gottesfürchtigkeit, sondern Gesundheitsfürchtigkeit ist heute der Maßstab für gute Lebensführung. Eine vermeintlich gesunde Lebensführung garantiert zwar noch nicht den Eintritt ins Paradies, aber sie gibt dem Suchenden doch eine Art Gewissheit im Hier und Jetzt: „Gesundheitspolitik und öffentliche Vorsorgeprogramme können demnach verstanden werden als Teil einer moralischen Ordnung der Gesellschaft, denn beide betonen die Bedeutung des ethisch richtigen Umgangs mit dem eigenen Körper&#8221;, schreibt Lupton.</p>
<p><strong>Nur wer „richtig“ lebt, lebt auch gesund</strong></p>
<p>Nach gängiger Auffassung ist die Gesundheit ein Gut, das durch richtige Lebensführung, Selbstdisziplin  und die Bereitschaft zum Verzicht errungen werden kann. Die Gleichung, wonach nur Gesund sein kann, wer „richtig“ lebt, ermöglicht es den Anhängern der Gesundheitsreligion, ein moralisch positives Bild von sich selbst zu entwerfen. Durch die quasi religiöse Sicht von Gesundheit, fühlen sie sich im übrigen auch dazu berechtigt, abweichendes Verhalten von einem mit Autorität versehen Standpunkt aus zu kritisieren. Wer seine gesellschaftliche Gesundheits-Pflicht missachtet, wird in unserer ängstlichen und immer weniger toleranten Welt schnell zum Außenseiter.</p>
<p>Die Angst davor, aus eigenem Verschulden krank zu werden, führt den auch zu einer bizarren Hypochondrisierung der Gesellschaft. „Immer, wenn im Fernsehen die Sendung `Sprechstunde` gelaufen ist, klingelt bei mir in der Praxis pausenlos das Telefon“, erzählt ein Allgemeinpraktiker, der den vielen medizinischen Ratgebersendungen, die ständig auf sämtlichen TV-Kanälen laufen, kaum noch Positives abzugewinnen vermag. Nach jeder Sendung meldeten sich bei ihm reihenweise „verängstigte Gesunde“, die davon überzeugt seien, exakt an jener Symptomen zu leiden, die Tags zuvor am TV vorgeführt wurden (wobei sie meist auch gleich ultimativ nach jenem Medikament verlangen, das in der Sendung besonders empfohlen wurde).</p>
<p>Viele der eingebildeten Kranken zeigen sich dabei durchaus schuldbewusst und nehmen die Verantwortung für ihre Gesundheitsstörung auf sich. Sie haben die versteckte Botschaft der Medizin-Ratgeber-Programme längst verinnerlicht, die da lautet : Wer im stetigen Streben Gesund zu bleiben nachlässt und die Gebote einer „vernünftigen Lebensweise“ in den Wind schlägt und die ärztlichen Empfehlungen ignoriert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er plötzlich krank wird und stirbt.</p>
<p>Der Versuch, die Verantwortung für die Krankheit den Kranken in die Schuhe zu schieben, hat Tradition. Im Jahre 1974 veröffentlichte das Kanadische Gesundheitsministerium die Ergebnisse einer Untersuchung, in der das Auftreten schwerer, tödlich verlaufener Krankheiten mit bestimmten, gemeinhin als ungesund geltenden Lebensgewohnheiten in Bezug gesetzt wurde. Das Fazit der Studie fiel erwartungsgemäss aus: Die grosse Mehrheit der Verstorbenen, so meinten die kanadischen Gesundheitsforscher, wären älter geworden, hätten sie weniger geraucht, weniger getrunken und, ganz generell, gesünder gelebt. Kurzum: Die Opfer sind selber schuld.</p>
<p>In der Folge wurden in vielen Ländern vergleichbare Studien durchgeführt, was denn auch zu einem allmählichen Bewusstseinswandel auf breiter Ebene führte. Während man zuvor Krankheiten als unvermeidliches Unglück angesehen hatte, wurde sie nun, zumindest teilweise, zur Folge ungesunden Verhaltens erklärt. Nach der Logik der Gesundheits-Apologeten schaden sich die Verächter eines gesunden Lebensstils aber nicht nur selbst – sie treiben auch die Gesundheitskosten in die Höhe und werden damit zu Schädlingen am Volkskörper.(1)  Für J. H. Knowles, den früheren Direktor der wohltätigen Rockefeller Stiftung in den USA, ergibt sich daraus als logische Konsequenz,  dass das verfassungsmässige „Recht auf Gesundheit“ künftig durch eine „allgemeine Bürgerpflicht zur Gesundheitsvorsorge“ ersetzt werden müsse. Gesundsein wird damit zum ersten Gebot der political correctness – nur wer sich fit hält und Tabak, Alkohol und fettes Essen meidet, verhält sich der Allgemeinheit gegenüber verantwortungsbewusst.</p>
<p>Als Lohn für das stetige Bemühen, Gesund zu bleiben, winkt ein langes Leben. Alt werden allein ist aber noch längst kein Garant für anhaltendes Lebensglück. Wer über einen Körper verfügt, der auch noch mit 85 ohne wesentliche Störungen funktioniert, gehört zu einer privilegierten Minderheit. Allerdings wird bei einer Medizin, die dem Tod den Garaus machen will, das Altwerden für sich schon zu einer Krankheit. Und tatsächlich befinden sich die meisten Betagten mehr oder weniger ständig in ärztlicher Behandlung.Dabei fühlen sich gerade viele ältere Menschen der Megamaschine der modernen Medizin schutzlos ausgeliefert. Anders als den Aerzten, geht es den meisten Patienten keineswegs darum, den Tod möglichst lange hinauszuzögern. Im Gegenteil. Die meisten Menschen erschreckt die Vorstellung, monatelang von piepsenden und blinkenden Automaten künstlich am Leben erhalten zu werden und so dem Tod entgegendämmern zu müssen. Der ethischer Imperativ der Aerzte, Leben um jeden Preis zu erhalten, führt angesichts des heute technisch Möglichen in ein Dilemma: Anstatt ihren Patienten zu helfen, sich vertrauensvoll dem Unvermeidlichen hinzugeben, hindern die Aerzte sie mit allen verfügbaren Mitteln daran, in Würde sterben zu können.</p>
<p><strong>Gesundheit – ein vermarktbarer Rohstoff</strong></p>
<p>„Die Menschen haben es verlernt, Alter und Tod als natürliche Gegebenheit zu akzeptieren“, schreiben die beiden amerikanischen Medizin-Soziologinnen Reneé Fox und Judith Swazey, „stattdessen sehen wir im Tod unsern ärgsten Feind, dessen  Bekämpfung jedes Mittel rechtfertigt.“ In ihrem Buch &#8220;Spare Parts: Organ replacement in American Society&#8221; entwerfen die beiden die Vision einer Welt, in der Kranke mit biologischen Ersatzteilen repariert werden können, die in genetischen Zuchtanstalten mit Hilfe von Pavianen oder Schweinen herangezogen wurden, oder direkt aus noch warmen Körpern geplündert werden. Ethik und Moral werden dabei von einer übereifrigen Medizin, die das Leben der Menschen endlos verlängern will, kurzum über Bord geworfen.</p>
<p>Doch der Weg in die totale Maschinen- und Ersatzteil-Medizin scheint unumkehrbar – das allein schon deshalb, weil das Gesundheitswesen inzwischen zu einem milliardenschweren Geschäft geworden ist. In unserer durchökonomisierten Welt wird auch die Gesundheit zu einem vermarktbaren Rohstoff , derweil die Aerzte zu Anbietern von medizinischen Dienstleistungen und Therapieprodukten mutieren. Doch anders als etwa ein Gemüsehändler, der konkrete Produkte verkauft, bieten Aerzte nur ein Versprechen an. Doch gerade der Umstand, dass die Gesundheit ein unsichtbares Gut ist, macht es um so einfacher, sie zu verkaufen. Und weil sich Gesundheit mit Geld bekanntlich nicht aufwerten lässt,  kann man für sie auch jeden Preis verlangen.</p>
<p>Das hat dazu geführt, dass die Medizinalbranche überall auf der Welt mit zweistelligen Wachstumsraten bei Umsatz und Profiten glänzt. Und die Nachfrage wird auch in Zukunft zuverlässig weiter steigen, dafür sorgt allein schon das spezifische Angebotssystem im modernen Gesundheitswesen: War es früher noch üblich, dass der Kranke den Arzt ins Haus bestellte, wenn es nötig wurde, ist es heute in der Regel umgekehrt: Der Arzt bestellt den Patienten in seine Praxis. Kerngesunde Leute werden dabei von computergesteuerten Kontrollsystemen dazu aufgefordert, sich einem &#8220;Check-up&#8221; oder &#8220;Screening&#8221; zu unterziehen. Eine Weigerung wird als &#8220;non-compliance&#8221; eingestuft, und gilt, der Gesellschaft gegenüber, als verantwortungs- und rücksichtslos.</p>
<p>In den USA nennt man diese Art der gesundheitlichen Vorsorge „anticipatory medicine“; wobei die antizipatorische Medizin nicht mit der traditionellen Präventivmedizin verwechselt werden darf, die beispielsweise mit Impfungen oder durch die Verbesserung der hygienischen Verhältnissen Krankheiten zu vermeiden versucht. Die antizipatorische Medizin ergeht sich viel mehr in probabilistischen Spekulationen über mögliche künftige Risiken, die durch „multifaktorielle Störungen“ hervorgerufen werden könnten. Wer seine Risikofaktoren regelmässig checken lässt,  könne das Risiko, plötzlich von einer schweren Krankheit heimgesucht zu werden, allerdings erheblich verringern, versprechen die antizipatorischen Aerzte. Die meisten, wenn nicht sogar alle Krankheiten liessen sich durch regelmässige Vorsorgeuntersuchungen vermeiden, oder zumindest zeitlich verzögern. So sollte sich – nach den Richtlinien der US-Amerikanischen Aerztegesellschaft – eine gesunde Frau zwischen ihrem 20 und 70 Altersjahr mindestens einmal jährlich vollumfänglich ärztlich untersuchen lassen. Dabei muss sie, zur Evaluation ihrer Risikofaktoren, hochgerechnet nicht weniger als 278 verschiedene Untersuchungen, Tests und Beratungsgespräche über sich ergehen lassen – alles nur, um sicher gehen zu können, nicht krank zu sein.</p>
<p>Nun zeigen aber praktisch alle vorhandenen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass breit angelegte Vorsorgeuntersuchungen, und namentlich auch das so genannte „multiphasic screening“ (bei dem gleichzeitig nach verschiedenen möglichen Krankheiten gesucht wird), keinen spürbaren Einfluss auf die Anzahl der aufgetretenen Krankheitsfälle oder die Sterblichkeit gezeigt hat. So hat zum Beispiel vor ein paar Jahren eine Langzeit-Kontrolluntersuchung in Schweden erbracht, dass von gesamthaft 65`000 Frauen, die sich einer Mammographie unterzogen, nur gerade eine einzige Frau einen direkten medizinischen Vorteil daraus ziehen konnte.</p>
<p>Dennoch wird am Sinn der Gesundheits-Check-ups kaum gezweifelt: Die Krankenkassen übernehmen in den meisten Fällen klaglos die Kosten; und auch bei den Gesundheitspolitikern gilt die vorsorgliche Medizinalisierung Gesunder als unbedingt förderungswürdig; wobei sie – ungeachtet aller vorliegenden Fakten - fest davon überzeugt sind, dass sich mit flächendeckenden Screenings auf lange Sicht Einsparungen im staatlichen Gesundheitsbudget erzielen lassen.</p>
<p><strong>Konsens von Links bis fast ganz Rechts</strong></p>
<p>Der Staat strickt denn auch kräftig am Aufbau des neuen Gesundheitsbewusstseins mit. Während die soziale Sicherheit der Menschen Stück für Stück dem freien Markt anheim fällt, und die Bürgerrechte einem paranoiden Sicherheitswahn geopfert werden, ereifern sich die Politiker auf nationaler und kommunaler Ebene über Rauchverbote, oder sie hecken Schikanen „zum Schutze“ von übergewichtigen Schulkindern aus.(3)</p>
<p>Bezeichnend ist dabei, dass aus Gründen der political correctness von Links bis fast nach ganz Rechts ein weitgehender Konsens darüber besteht, dass es gut und richtig ist, wenn der Staat sich in die Lebensführung seiner Bürger einmischt und die Gesundheitsvorsorge mit Zwangsmassnahmen reglementiert. In der Schweiz protestiert einzig die SVP bisweilen gegen diese Bevormundung der Bürger, derweil bei allen andern Parteien die Gesundheit vor der Freiheit Priorität geniesst.</p>
<p>Für den 1994 verstorbene Tschechischen Mediziner und Buchautor Petr Skrabanek ist das Ausdruck einer „Tyrannei der Gesundheit“. Wenn die  allgemeine Volksgesundheit zur Staatsmaxime werde, sei das ein Symptom einer gesellschaftlichen Krankheit, schrieb Skrabanek in seinem Buch „The Death of Humane Medicine and the Rise of Coercive Healthism&#8221; und warnte dabei vor einer aufgezwungenen staatlichen „Gesundheitsideologie“, die das Gesundheitsverhalten der Bürger immer weiter gehend reglementiert. Petr Skrabanek prägte dafür den Begriff „Healthism“, was sich – laut Wikipedia – am ehesten mit „Gesundheitsfaschismus“ übersetzen lasse.</p>
<p>„Healthism ist eine machtvolle Ideologie, die in unseren sekulären Gesellschaften das Vakuum auszufüllen vermag, das die Religionen zurückgelassen haben“, heisst es bei Skrabanek. Beliebt sei diese Ersatzreligion namentlich in den Mittelklassen, „die den Kontakt zu ihren kulturellen Wurzeln verloren“ hätten und sich in der sich schnell wandelnden Welt zunehmend verunsichert fühlten. Das metaphysische Urvertrauen, das ihnen das Gebet nicht mehr zu geben vermag, finden sie jetzt beim Training im Fitness-Center.<br />
Genau genommen will die Gesundheits-Religion vor allem eines: Risiken minimieren.(4) Wer die Volksgesundheit fördert, nimmt für sich aber auch automatisch in Anspruch, das allgemeine Wohlbefinden, beziehungsweise die gesellschaftliche Glückseligkeit zu erhöhen. Nur, so hat es der Philosoph und liberale Vordenker Karl Popper formuliert: „Jeder Versuch, das Glück der Allgemeinheit zu maximieren, führt notgedrungen in einen Totalitarismus.“</p>
<p>Zwischen dem Anspruch die Gesundheit zu maximieren und dem Bestreben, das Leiden der Kranken zu minimieren, besteht denn auch ein erheblicher Unterschied. Anstatt als Lifestyle-Lehrer zu agieren und die Patienten in der staatlichen Gesundheitsideologie zu unterweisen, sollten sich die Aerzte deshalb viel mehr darauf verlegen, die Leiden der Kranken zu mildern, ihre Furcht zu vertreiben und - ganz generell - den peinvollen Weg, den jeder Mensch bis zu seinem Grab zurücklegen muss, zu erleichtern. Ein weiser Arzt hat es einmal so formuliert: „Zu den Aufgaben eines Arztes gehört, es den Patienten möglich zu machen, all die angenehmen Dinge zu tun, die schlecht für sie sind - zu viel zu rauchen, zu viel zu essen und zu viel zu trinken, ohne dass sie sich dadurch früher als nötig umbringen.“<br />
<em>(1) Tatsächlich verhält es sich genau umgekehrt: Wer gesund lebt und ein hohes Alter erreicht, verursacht auch höhere gesellschaftliche Kosten. Er bezieht nicht nur länger Rente, auch die Pflege- und Gesundheitskosten steigen mit zunehmendem Alter an. Wer hingegen auf Grund seiner ungesunden Lebensweise schon vor Erreichen des Pensionsalters das Zeitliche segnet, fällt der Allgemeinheit weit weniger zur Last.</em></p>
<p><em>(2) Die angestiegene durchschnittliche Lebenserwartung, gilt als schlagender Beweis dafür, dass die Medizin in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Allerdings können auch die gläubigsten Anhänger der Schulmedizin nicht bestreiten, dass die wesentlichen Fortschritte im Gesundheitswesen primär auf die verbesserten Lebensbedingungen zurückzuführen sind - auf die bessere Ernährung, die bessere Hygiene und die verbesserte Bildung. Die Aerzte hingegen stehen den Krankheiten nach wie vor weitgehend machtlos gegenüber. Sie können zwar Entzündungen eindämmen, oder krankhaftes Gewebe chirurgisch beseitigen - aber mit Ausnahme einiger Infektionen und Mangelerkrankungen gibt es praktisch keine Therapien, die den Patienten im Sinne  von restitutio ad integrum tatsächlich heilen</em></p>
<p><em>(3) Der Luzerner Gesundheitsdirektor Markus Dürr hat vor einiger Zeit vorgeschlagen, den Eltern von übergewichtigen Kindern künftig per Gesetz zu verbieten, ihre Sprösslinge im Auto in die Schule zu chauffieren. Die dicken Kinder sollen dadurch gezwungen werden, sich mehr zu bewegen.</em></p>
<p><em>(4) Die Anthropologie Mary Douglas hat allerdings darauf hingewiesen, dass &#8220;Risiko&#8221; in der heutigen Gesellschaft ein moralisch stark aufgeladenes Konzept darstellt. Risiko ist, laut Douglas, gewissermassen das weltliche Gegenstück zur Sünde. Wer sich ohne Notwendigkeit einem Risiko aussetzt, handelt nach den gängigen gesellschaftlichen Vorstellungen unmoralisch.<br />
</em></p>
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