Scheinmedikamente (Placebos) können die biologischen Abläufe in verschiedenen Hirnregionen messbar verändern. Ihre Wirkung hängt jedoch entscheidend davon ab, welche Erwartungen ein Patient an die Behandlung knüpft. Wo genau die emotionale Haltung einer Person in neuronale Prozesse übersetzt wird, war bis anhin allerdings unklar. Wie amerikanische Wissenschafter nun berichtet haben, lösen positive Erwartungen im Belohnungszentrum des Mittelhirns, dem Nucleus accumbens, deutliche Veränderungen aus, die ihrerseits die Wirksamkeit von Placebos begünstigen.1Aufnahmen des Gehirns mittels bildgebender Verfahren zeigten bei gesunden Probanden, die vermeintlich an einem Placebo-kontrollierten Test eines neuen Schmerzmittels teilnahmen (also glaubten, entweder ein Placebo oder das echte Medikament zu erhalten), dass schon die Erwartung einer schmerzlindernden Wirkung im Nucleus accumbens die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin ankurbelt, das heisst zu erhöhter neuronaler Aktivität führt. Wurden diejenigen Studienteilnehmer, die von der Behandlung eine Wirkung erhofften, dann einem Schmerzreiz ausgesetzt, empfanden sie auch tatsächlich weniger Schmerzen als Probanden, die nicht an die Wirksamkeit der Therapie glaubten.
Analoge individuelle Unterschiede fanden die Forscher erstaunlicherweise auch in einem völlig anderen Kontext; nämlich dann, als sie ihren Probanden im Rahmen eines Spiels eine mögliche Geldbelohnung in Aussicht stellten. Dabei reagierten dieselben Personen, die bereits im Placebo-Test positiv eingestellt gewesen waren, auch auf das Versprechen eines potenziellen Geldgewinns mit einer zuversichtlichen Haltung und entsprechenden Veränderungen im Nucleus accumbens. Wie die Forscher nun annehmen, spielt das hirneigene Belohnungszentrum bei der Entstehung der Placebowirkung eine Schlüsselrolle, indem es Erwartungen in neuronale Prozesse übersetzt.